Americano vs. Café Crema – zwei Klassiker, ein Ursprung, aber völlig verschiedene Tassenmomente
Wer regelmäßig Kaffee trinkt, hat sie sicher schon einmal auf der Karte gesehen: Americano und Café Crema. Beide wirken auf den ersten Blick ähnlich – schwarze Kaffees ohne Milch, schlicht und klar. Doch obwohl sie verwandt sind, unterscheiden sie sich in Zubereitung, Geschmack und kulturellem Hintergrund deutlicher, als man denkt.
Der deutlichste Unterschied zwischen einem Americano und einem Café Crema ist der Mahlgrad. Dieser ist bei einem Café Crema deutlich gröber als beim Americano. Warum? Weil man in der gleichen Extraktionszeit (also ca. 25-30 Sekunden) eine Menge von 150-190 ml Kaffee beziehen möchte. Also muss der Kaffee schneller durchlaufen, als bei einem herkömmlichen Espresso, der ja die Basis für den Americano bildet.
Der Americano – Arabica-Espresso trifft auf heißes Wasser
Der Americano entstand der Legende nach während des Zweiten Weltkriegs, als amerikanische Soldaten in Italien Espresso als zu stark empfanden und ihn mit heißem Wasser verlängerten.
Zubereitung:
- 1 doppelter Espresso (16-19g ergibt 32-40g Espresso)
- mit 150-180 ml heißem Wasser aufgefüllt
- Vehältnis: 1:5
Geschmack:
Der Americano ist milder als Espresso, aber aromatischer als klassischer Filterkaffee. Durch das Verdünnen bleibt die typische Espresso-Note erhalten – intensiv, leicht bitter, mit feiner Säure, aber insgesamt angenehm leicht.
Mundgefühl:
Eher dünn und klar, weil die Crema des Espressos durch das Wasser weitgehend zerfällt.
Der Café Crema – viel Wasser, aber direkt durch die Bohnen
Der Café Crema ist besonders im Schweizer Raum beliebt und nutzt dieselbe Maschine wie Espresso – aber mit einer anderen Bohnenvarietät und einem anderen, gröberen Mahlgrad, um die Extraktion zu beschleunigen. Die Zauberbohne heisst hier Robusta. Durch den höheren Koffeingehalt entsteht auch deutlich mehr Crema. Und das ist das Geheimnis dahinter.
Zubereitung:
- 1 Espresso (12-15 g ergibt 120-150ml) direkt mit einem groben Mahlgrad - innerhalb der knapp 30 Sekunden
- Verhältnis: 1:10
Geschmack:
Ein Café Crema ist kräftiger als ein Americano, aber weniger konzentriert als ein Espresso. Er hat ein rundes Aroma, wirkt vollmundiger und nicht so „verwässert“, weil die Crema das Mundgefühl nicht verwässert, sondern eher samtig erscheinenn lässt.
Mundgefühl:
Café Crema hat – wie der Name schon sagt – eine goldbraune Crema-Schicht, die dem Getränk zusätzliche Struktur und einen harmonischen Abschluss verleiht.
Bildquelle: kaffeepartner 2020
Fazit
Americano und Café Crema sind zwei wunderbare Varianten der Espressokultur, die oft verwechselt werden, aber ein ganz unterschiedliches Geschmackserlebnis bieten. Der Americano ist die leichte, verlängerte Version des Espressos – perfekt für entspannte, lange Kaffeemomente. Der Café Crema hingegen ist ein vollmundiger Klassiker mit einer schönen Crema und ideal für alle, die intensiven Kaffeegeschmack mögen, ohne in die Espresso-Welt abzutauchen.
Aufgrund des unterschiedlichen Mahlgrads und der Menge erfordert es eine eigens eingestellte Mühle nur für den Cafe Crema. Deshalb verzweifeln wohl die meisten Barista bei der Zubereitung eines Cafe Crema. Das ist preislich gesehen für Cafés auch ein ziemlicher Aufwand. Daher verwenden wir für den Café Crema eine eher preisgünstige Mühle - im Gegensatz zu unseren sonstigen Espressomühlen, die deutlich teurer sind.