Fermentation - Quo Vadis
Der Versuch einer Definition von Fermantation
Wenn man heute von fermentiertem Kaffee spricht, dann geht man in der Regel von gewaschenem Kaffee aus. Die Fermentation sieht vor, dass natürliche Stoffe durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze umgewandelt werden. Was sich auf den ersten Blick eklig anhört ist eine ganz natürliche Reaktion, wie wir sie auch von Joghurts und dergleichen kennen.
Nun ist die allgemeine Definition von fermentiertem Kaffee die, dass nur nass aufbereitete Bohnen (also washed oder honey) auch fermentiert sein können. Hier ist die Fermentation ein essenzieller Schritt. Nach dem Entpulpen liegen die Bohnen in Wassertanks, wo Bakterien und Hefen die verbliebene Schleimhaut (Mucilage) durch Fermentation abbauen.
Aber was ist denn nun mit den sog. "naturals"? Also die Bohnen, die trocken aufbereitet werden? Ja, natural (trocken) aufbereitete Kaffeebohnen sind ebenfalls fermentiert. Bei dieser Methode trocknet die ganze Kirsche 3–5 Wochen in der Sonne, wobei Zucker und Schleimschicht durch natürliche Mikroorganismen (Hefen/Bakterien) gären. Dies führt zu einem intensiven, fruchtigen Geschmack mit hohem Körper, birgt aber bei falscher Trocknung das Risiko von Fehlnoten. Somit ist die Aussage, dass nur gewaschene Bohnen auch fermentiert werden schlichtweg falsch.
Aber woher kommt diese Annahme? Es ist nicht unbedingt eindeutig, dass Kaffee fermentiert werden kann. Und wenn, dann herrscht Uneinigkeit, was Fermentation bei Kaffee genau ist.
Wenn wir über Kaffee sprechen, haben wir oft die Bohne im Sinn und nicht die Kaffeekirsche. Für diese Betrachtung aber wollen wir Kaffee als Kirsche denken: also die Kombination von zwei Samen, umhüllt von Hornschale, Schleimschicht und Haut. Botanisch ausgedrückt: endocarp, mesocarp und exocarp. Hört sich jetzt hochwissenschaftlich an, ist aber für die genaue Betrachtung von Bedeutung!

Abbildung: kaffeemacher
Wenn wir Fermentation nur als mechanischen Prozess betrachten, dann wäre es eine vereinfachte Darstellung: das Fruchtfleisch mitsamt dem Schleim (Englisch mucilage oder honey) vom Samen zu lösen. Nach dieser Defintion wäre eine trocken aufbereitete Kaffeebohne nicht fermentiert. Da aber die Fermenation innerhalb der Kaffeekirsche stattfindet (und eben nicht nur in der Bohne) wäre diese Betrachtung zu kurz geraten. Denn wie auch bei der Weinfermentation, als auch bei der Sauerteig-Herstellung beginnt die Fermenation schon vorher. Nämlich dann, wenn die in der Natur vorhandenen Mikroorganismen mit der Spontangärung anfangen. Und dazu muss eben die Kaffeekirsche nicht gepulpt sein. Ganz im Gegenteil.
Somit können wir folgendes festhalten:
- oft werden die Vorgänge der „Entschleimung“ und Fermentation fälschlicherweise synonym verwendet
- Wir unterscheiden hier zwischen der mechanischen Loslösung der Mucilage (demucilagination) und der biologischen Loslösung durch Hefen und Bakterien
- viele "Kaffee-Experten" bezeichnen Kaffees, die etwas fruchtiger sind, noch immer als fermentiert – dabei aber erkennen sie eine neue Realität: Spezialitäten-Kaffees werden immer Frucht-betonter
- wenn Kaffee fermentiert, dann macht er das in aller Regel durch natürliche, wilde Hefen, die schon auf der Frucht angesiedelt und auch in der Luft vorhanden sind
Nicht unerwähnt bleiben sollte natürlich, dass eine gezielte Fermentation (also durch das Hinzufügen von Hefe) einen direkten Einfluß auf den Geschmack des Kaffees hat. Und wahrscheinlich ist es das, was viele "Kaffee-Experten" als fermentiert betrachten. Aber genauer betrachtet findet nun mal immer eine Form der Fermentation statt.
Bei all dieser Betrachtung dürfen wir eines niemals vergessen: Die Kaffeebohne ist ein Naturprodukt. Und genau dieses Naturprodukt birgt noch so viele Geheimnisse, die es zu erkunden gilt! Am Ende gilt aber: Hauptsache es schmeckt!









