Fermentation - Quo Vadis

Carsten Witteck • 24. März 2026

Der Versuch einer Definition von Fermantation

Wenn man heute von fermentiertem Kaffee spricht, dann geht man in der Regel von gewaschenem Kaffee aus. Die Fermentation sieht vor, dass natürliche Stoffe durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze umgewandelt werden. Was sich auf den ersten Blick eklig anhört ist eine ganz natürliche Reaktion, wie wir sie auch von Joghurts und dergleichen kennen. 


Nun ist die allgemeine Definition von fermentiertem Kaffee die, dass nur nass aufbereitete Bohnen (also washed oder honey) auch fermentiert sein können. Hier ist die Fermentation ein essenzieller Schritt. Nach dem Entpulpen liegen die Bohnen in Wassertanks, wo Bakterien und Hefen die verbliebene Schleimhaut (Mucilage) durch Fermentation abbauen.


Aber was ist denn nun mit den sog. "naturals"? Also die Bohnen, die trocken aufbereitet werden? Ja, natural (trocken) aufbereitete Kaffeebohnen sind ebenfalls fermentiert. Bei dieser Methode trocknet die ganze Kirsche 3–5 Wochen in der Sonne, wobei Zucker und Schleimschicht durch natürliche Mikroorganismen (Hefen/Bakterien) gären. Dies führt zu einem intensiven, fruchtigen Geschmack mit hohem Körper, birgt aber bei falscher Trocknung das Risiko von Fehlnoten. Somit ist die Aussage, dass nur gewaschene Bohnen auch fermentiert werden schlichtweg falsch. 


Aber woher kommt diese Annahme? Es ist nicht unbedingt eindeutig, dass Kaffee fermentiert werden kann. Und wenn, dann herrscht Uneinigkeit, was Fermentation bei Kaffee genau ist.


Wenn wir über Kaffee sprechen, haben wir oft die Bohne im Sinn und nicht die Kaffeekirsche. Für diese Betrachtung aber wollen wir Kaffee als Kirsche denken: also die Kombination von zwei Samen, umhüllt von Hornschale, Schleimschicht und Haut. Botanisch ausgedrückt: endocarp, mesocarp und exocarp. Hört sich jetzt hochwissenschaftlich an, ist aber für die genaue Betrachtung von Bedeutung!

Abbildung: kaffeemacher


Wenn wir Fermentation nur als mechanischen Prozess betrachten, dann wäre es eine vereinfachte Darstellung: das Fruchtfleisch mitsamt dem Schleim (Englisch mucilage oder honey) vom Samen zu lösen. Nach dieser Defintion wäre eine trocken aufbereitete Kaffeebohne nicht fermentiert. Da aber die Fermenation innerhalb der Kaffeekirsche stattfindet (und eben nicht nur in der Bohne) wäre diese Betrachtung zu kurz geraten. Denn wie auch bei der Weinfermentation, als auch bei der Sauerteig-Herstellung beginnt die Fermenation schon vorher. Nämlich dann, wenn die in der Natur vorhandenen Mikroorganismen mit der Spontangärung anfangen. Und dazu muss eben die Kaffeekirsche nicht gepulpt sein. Ganz im Gegenteil. 


Somit können wir folgendes festhalten: 

 

  • oft werden die Vorgänge der „Entschleimung“ und Fermentation fälschlicherweise synonym verwendet
  • Wir unterscheiden hier zwischen der mechanischen Loslösung der Mucilage (demucilagination) und der biologischen Loslösung durch Hefen und Bakterien
  • viele "Kaffee-Experten" bezeichnen Kaffees, die etwas fruchtiger sind, noch immer als fermentiert – dabei aber erkennen sie eine neue Realität: Spezialitäten-Kaffees werden immer Frucht-betonter
  • wenn Kaffee fermentiert, dann macht er das in aller Regel durch natürliche, wilde Hefen, die schon auf der Frucht angesiedelt und auch in der Luft vorhanden sind

 

Nicht unerwähnt bleiben sollte natürlich, dass eine gezielte Fermentation (also durch das Hinzufügen von Hefe) einen direkten Einfluß auf den Geschmack des Kaffees hat. Und wahrscheinlich ist es das, was viele "Kaffee-Experten" als fermentiert betrachten. Aber genauer betrachtet findet nun mal immer eine Form der Fermentation statt.


Bei all dieser Betrachtung dürfen wir eines niemals vergessen: Die Kaffeebohne ist ein Naturprodukt. Und genau dieses Naturprodukt birgt noch so viele Geheimnisse, die es zu erkunden gilt! Am Ende gilt aber: Hauptsache es schmeckt! 

von Carsten Witteck 23. Januar 2026
Was ist eigentlich ein Batch Brew und was ist der Unterschied zu Pour Over? Beides sind Filtervarianten, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Beide Verfahren sind ähnlich, allerdings wird beim Pour Over Verfahren das Wasser per Hand über das Kaffeemehl gegossen, während beim Batch Brew größere Mengen Filterkaffee in einer Maschine zubereitet werden. Übrigens: Das heutige Filterverfahren hat Frau Melitta Bentz geprägt. Sioe erfand 1908 den Filter, wie wir ihn heute kennen. Ihr verdanken wir das Filterbrüh-Verfahren! Aber der Reihe nach... Pour Over Verfahren: Beim Pour Over Verfahren wird Filterkaffee nach einer bestimmten "Rezeptur" von Hand aufgebrüht. Die Durchlaufzeit ist dabei genau festgelegt, sowie die Temperatur und das sog. Blooming. Das Blooming (Englisch für „Aufblühen“) bezeichnet meist das Aufquellen von frisch gemahlenem Kaffee durch Kohlendioxidfreisetzung beim ersten Kontakt mit heißem Wasser. Es verbessert den Geschmack, indem es Bitterstoffe reduziert. Dabei wird beim ersten Aufguss in den Filter erstmal eine reduzierte Menge Wasser mit dem Kaffeemehl in Kontakt gebracht, damit der Kaffee "atmen" kann, ähnlich wie bei einer Weindegustation. Danach wird in definierten Abständen immer wieder Wasser nachgegossen, bis man im Zielbereich des Aufgießens angekommen ist. Die Brühzeit beträgt in der Regel 3 bis 3,5 Minuten. Unsere Rezeptur von The Coffee Society sieht dabei wie folgt aus: 1. Aufguss: 0-30 sek. 80ml Blooming 2. Aufguss: 30 sek. bis 1:00 80 ml 3. Aufguss: 1:00 bis 1:30 weitere 80 ml und danach im Filter die letzten Aromen durch leichtes Umrühren freisetzen 4. Aufguss: 1:30 bis Ende weitere 130 ml aufgiessen. Bestenfalls ist der Aufguss mit unserer Rezeptur bei 3:30 abgeschlossen. Dafür verantwortlich ist der Mahlgrad der Bohnen. Batch Brew Verfahren: Das Batch Brew Verfahren beinhaltet das Zubereiten von Kaffee in größeren Mengen in einer Filterkaffeemaschine. Hierbei wird konstand eine geiche Wassermenge auf das Kaffeemehl verteilt. Das Problem bei solchen Brühungen war in der Vergangenheit: Während man beim Pour Over Verfahren kreisförmig das Wasser auf dem gesamten Kaffeemehl verteilt, wird beim Batch Brewing meist nur der Mittelbereich des Kaffeemehls bewässert. Dabei geht wertvolles Aroma des gesamten Kaffee verloren. Ausserdem wurde das sog. Blooming vollkommen vernachlässigt. Aus diesem Grund war bisher der Pionier unter den Kaffeemaschinen die MoccaMaster und bildete das Ultima ratio unter den Kaffeemaschinen. Zum einen, weil sie eine konstante Temperatur zwischen 92 und 96 Grad erzeugt und zum anderen weil ihr Brüharm das Wasser auch über das gesamte Kaffeemehl verteilte. Naja, zumindest fast. Denn auch bei dieser Maschine ist der Brüharm starr und das Wasser verteilt sich nur aufgrund der vielen Öffnungen im Brüharm. Ausserdem kann man im Gegensatz zum Pour Over Verfahren kein konsequentes Blooming durchführen. Zeiten ändern sich und die Technik auch. Es hat Jahre gedauert, bis tatsächlich eine Maschine auf den Markt kam, die das Pour Over Verfahren erstaunlich imitiert. Und wieder ist es die Firma Melitta. Wir haben bei uns eine Kaffeemaschine (Melitta Epour) im Einsatz, die genau dieses Pour Over Brühverfahren perfekt nachimitiert. Sowohl in der Blooming Phase, als auch mit einem rotierenden, in sich selbst drehenden Brüharm definiert sie das Batch Brewing Verfahren komplett neu.
von Carsten Witteck 20. Januar 2026
Es ranken sich so viele Mythen um Siebe und der Qualität dessen, was rauskommt. Aber fangen wir vorne an: Wer die Siebträgermaschine erfunden hat ist umstritten. Ja, 1884 hat Angelo Moriondo das erste Patent für eine Maschine, die mit Wasser und Wasserdampf arbeitete, angemeldet. Das war aber noch keine klassische Siebträgermaschine, wie wir sie heute kennen. Das, was wir heute kennen hat zweifelsohne Achille Gaggia (ja, die gleichnamigen Maschinen von Gaggia gibt es heute noch!) 1938 beim Patentamt angemeldet. Nämlich einen Kolben, der Wasser mit einem hohen Druck (nämlich 9 bar) durch Kaffeepulver durchpresst. Und dazu braucht es einen sog. Siebträger. Also ein Sieb, welches zwar Wasser durchlässt, aber eben nicht das Kaffeepulver. Mit der Verbreitung der Espressomaschinen Anfang des 20. Jahrhunderts (Italien) entstand der Bedarf, Kaffeemehl gleichmäßig zu verdichten und unter hohem Druck (≈9 bar) mit Wasser zu durchströmen. Die Lösung war der Siebträger mit herausnehmbarem Metallsieb. 1er- vs. 2er-Siebträger (Einzel- und Doppelsiebe) In der Welt der Bairsta spricht man gerne von sog. 1er und 2er Siebträgern. Meist ist damit der komplette Siebträger gemeint, der 1, bzw. 2 Ausläufe am Siebträger hat. Allerdings sind diese gar nicht so entscheidend. Entscheidend ist die Menge, die das Sieb fassen kann, da man bei einem Verhältnis von 1:2 immer die doppelte Menge an Espresso in der Tasse haben möchte, wie man Kaffeepulver eingefügt habe. Für einen Espresso (und damit als Grundlage für alle Kaffeezubereitungen wie Cappuccino, etc.) benötige ich zwischen 15 und 25ml Espresso in der Tasse. Damit benötigt man in einem Doppelsiebträger min. 15-20 g Mahlgut, damit man zwei Tassen befüllen kann. Definition: 1er-Sieb: für einen einfachen Espresso (ca. 7–10 g Kaffee) 2er-Sieb: für einen doppelten Espresso (ca. 16–20 g Kaffee) Das 1er-Sieb ist meist konisch geformt, damit trotz geringer Kaffeemenge ausreichend Widerstand entsteht. Das 2er-Sieb ist meist zylindrisch und bietet eine gleichmäßigere Extraktionsfläche. Schaut man sich im inneren des Sieb an, wie der Wasserdruck aufgebaut wird, so kommt man schnell zu dem Entschluss, dass Doppelsiebe eine bessere Extraktion liefern als einfache, konische Siebe. Somit müsste man konsequenterweise sagen, dass für eine exzellente Extraktion nur 2er-Siebträger benutzt werden sollten. Dem entgegen steht natürlich: Wenn ich in einem Single-Haushalt nur jeweils Espresso für eine Person beziehe, wäre das eine ganz schöne Verschwendung. Und daher gibt es bei namenhaften Herstellern auch Siebe in kleineren Varianten (10-12g), die dennoch zylindrisch (also gerade) aufgebaut sind und somit eine perfekte Extraktion sicherstellen.
von Carsten Witteck 2. Dezember 2025
Americano vs. Café Crema – zwei Klassiker, ein Ursprung, aber völlig verschiedene Tassenmomente Wer regelmäßig Kaffee trinkt, hat sie sicher schon einmal auf der Karte gesehen: Americano und Café Crema. Beide wirken auf den ersten Blick ähnlich – schwarze Kaffees ohne Milch, schlicht und klar. Doch obwohl sie verwandt sind, unterscheiden sie sich in Zubereitung, Geschmack und kulturellem Hintergrund deutlicher, als man denkt. Der deutlichste Unterschied zwischen einem Americano und einem Café Crema ist der Mahlgrad. Dieser ist bei einem Café Crema deutlich gröber als beim Americano. Warum? Weil man in der gleichen Extraktionszeit (also ca. 25-30 Sekunden) eine Menge von 150-190 ml Kaffee beziehen möchte. Also muss der Kaffee schneller durchlaufen, als bei einem herkömmlichen Espresso, der ja die Basis für den Americano bildet. Der Americano – Arabica-Espresso trifft auf heißes Wasser Der Americano entstand der Legende nach während des Zweiten Weltkriegs, als amerikanische Soldaten in Italien Espresso als zu stark empfanden und ihn mit heißem Wasser verlängerten. Zubereitung: 1 doppelter Espresso (16-19g ergibt 32-40g Espresso) mit 150-180 ml heißem Wasser aufgefüllt Vehältnis: 1:5 Geschmack: Der Americano ist milder als Espresso, aber aromatischer als klassischer Filterkaffee. Durch das Verdünnen bleibt die typische Espresso-Note erhalten – intensiv, leicht bitter, mit feiner Säure, aber insgesamt angenehm leicht. Mundgefühl: Eher dünn und klar, weil die Crema des Espressos durch das Wasser weitgehend zerfällt. Der Café Crema – viel Wasser, aber direkt durch die Bohnen Der Café Crema ist besonders im Schweizer Raum beliebt und nutzt dieselbe Maschine wie Espresso – aber mit einer anderen Bohnenvarietät und einem anderen, gröberen Mahlgrad, um die Extraktion zu beschleunigen. Die Zauberbohne heisst hier Robusta. Durch den höheren Koffeingehalt entsteht auch deutlich mehr Crema. Und das ist das Geheimnis dahinter. Zubereitung: 1 Espresso (12-15 g ergibt 120-150ml) direkt mit einem groben Mahlgrad - innerhalb der knapp 30 Sekunden Verhältnis: 1:10 Geschmack: Ein Café Crema ist kräftiger als ein Americano, aber weniger konzentriert als ein Espresso. Er hat ein rundes Aroma, wirkt vollmundiger und nicht so „verwässert“, weil die Crema das Mundgefühl nicht verwässert, sondern eher samtig erscheinenn lässt. Mundgefühl: Café Crema hat – wie der Name schon sagt – eine goldbraune Crema-Schicht, die dem Getränk zusätzliche Struktur und einen harmonischen Abschluss verleiht.
von Carsten Witteck 24. Januar 2025
Die Kaffeepflanze (lat. Coffea) gehört zur Familie der Rötegewächse. Sie wächst in tropischen Regionen um den Äquator und braucht das ganze Jahr viel Niederschlag und Temperaturen über 21° C. Kaffeebohnen, die Früchte des Kaffeebaumes, erinnern in ihrer Form und Farbe an Kirschen und sind das wichtigste Agrargut im globalen Nord-Süd-Handel. Es gibt viele verschiedene Arten der Kaffeepflanzen, aber nur zwei haben eine wirtschaftliche Bedeutung: Coffea Arabica und Coffea Canephora, aus der die sog. Robusta-Bohne stammt. Auf die Arabica-Bohne entfallen mehr als 60% der Weltkaffeeproduktion. Coffea Robusta ist die zweite bedeutende Kaffeesorte und weniger anspruchsvoll als die Arabica-Bohne. Während die Arabica-Bohne ihre Ursprünge im heutigen Äthiopien hat, stammt die Robusta-Bohne aus Indonesien. Sie wächst schon in Höhen ab 200 bis 600 Metern. Außer diesen beiden Kaffeesorten gibt es noch einige wenige exklusive Sorten wie Liberica und Excelsa. Die größten Produzenten der Sorte Arabica sind Brasilien und Kolumbien. Andere große Produzenten sind Costa Rica, Mexiko und Guatemala. Robusta wird hauptsächlich in Afrika und Asien angebaut. 2005 war Brasilien der größte Kaffeeproduzent der Welt mit 2,179 Mio. Tonnen grünen Kaffeebohnen, was ca. 28,2 Prozent der Welternte ausmachte.(2005: bei 7,72 Mio. Tonnen pro Jahr). Die Welt-Produktion von Kaffee stieg in den letzten zehn Jahren von 90 Mio. Sack zu 60 Kilogramm auf über 100 Mio. Sack. Der Anteil von Robusta-Kaffee an der Erzeugung liegt bei knapp 40 Prozent. Der Handel mit Kaffee hat große wirtschaftliche Auswirkungen auf die beteiligten Länder. Nach Erdöl ist der Kaffee der wichtigste Exportrohstoff und über 100 Millionen Menschen leben von seiner Herstellung und Verarbeitung. Viele Dritte-Welt-Länder sind vom Verkauf des Kaffees abhängig. Die Weltmarktpreise, die seit Jahren sinken, decken aber schon heute oft nicht mehr die Erzeugungskosten. Leittragende sind dabei die Kleinbauern. Der Kaffeepreis ist weitgehend unelastisch, bei Preissteigerungen verändert sich die Nachfrage nach Kaffee kaum. Wichtigste Einflussfaktoren auf den Preis sind das Wetter und die politischen Rahmenbedingungen in den produzierenden Ländern. In Deutschland wird neben Belgien, Dänemark und Lettland eine sog. Röststeuer von 2,19 € pro kg erhoben. Dies wiederum bedeutet, dass neben dieser Röststeuer weitere Kosten wie Versorgung Farmer, Transportkosten, Containerkosten, Zollkosten, etc. hinzukommen. Das bedeutet, dass es unmöglich sein kann, dass Kaffee einen Kilopreis von weniger als 10 Euro hat. Zumindest nicht dann, wenn alle Beteiligten in der Lieferkette fair behandelt werden möchten und sollten. Kaffee wird an der London International Financial Futures Exchange, am New York Board of Trade, an der Bolsa de Mercadorias & Futuros und an der Tokyo Grain Exchange gehandelt. Alleine in diesem Jahr ist der Preis an den Börsen regelrecht explodiert (Steigerung um 82% von Februar 2024 bis Dezember 2024). Dies führt dazu, dass Röstereien somit ihre Preise erhöhen müssen. Hierzu kommt es meist zu einem erheblichen Zeitversatz. Warum ist das so? Weil Röster meistens ihre Lager für Jahre im Voraus schon gefüllt haben, da Rohkaffee nahezu ewig haltbar ist.
von Carsten Witteck 21. November 2024
Es gibt so viele Methoden Kaffee zuzubereiten. Und jede Brühmethode hat tatsächlich einen ganz eigenen Geschmack. Umso wichtiger ist es zu schauen, mit welchem Verhältnis in welcher Brühmethode aufgebrüht werden kann. Die Brew Ratio (Brühverhältnis) für Kaffee ist das Verhältnis zwischen der Menge an Kaffeepulver und der Menge an Wasser, das verwendet wird, um Kaffee zu brühen. Dieses Verhältnis hat einen großen Einfluss auf den Geschmack des Kaffees. Zu niedrige Brew Ratios können zu einem schwachen und dünnen Kaffee führen, während zu hohe Verhältnisse zu einem überextrahierten, bitteren Geschmack führen können. Hier sind einige gängige Brew Ratios für verschiedene Kaffeezubereitungsmethoden: Filterkaffee (z. B. Handfilter, Kaffeemaschine) Empfohlenes Verhältnis: 1:15 bis 1:18 (Kaffee : Wasser) Beispiel: Für 20g Kaffee verwendest Du etwa 300ml Wasser (1:15). French Press Empfohlenes Verhältnis: 1:14 bis 1:16 Beispiel: Für 30g Kaffee verwendest Du etwa 450ml Wasser (1:15). Espresso Empfohlenes Verhältnis: 1:2 bis 1:2,5 (Kaffee : Wasser) Beispiel: Für 18g Kaffee verwendest Du etwa 36 bis 45ml Wasser, was eine Standard-Espresso-Dosis ergibt. Bei Espresso sprechen wir im Übrigen immer von einem Doppel-Siebträger! Pour-Over (z. B. V60, Chemex) Empfohlenes Verhältnis: 1:15 bis 1:17 Beispiel: Für 15g Kaffee verwendest Du etwa 225ml bis 255ml Wasser. AeroPress Empfohlenes Verhältnis: 1:14 bis 1:17 Beispiel: Für 14g Kaffee verwendest Du etwa 200ml Wasser. Cold Brew Empfohlenes Verhältnis: 1:4 bis 1:5 (Kaffee : Wasser) Beispiel: Für 100g Kaffee verwendest Du 500ml Wasser, wobei die Brühzeit in der Regel mindestens 8 bis 24 Stunden beträgt. In obigen Chart könnt Ihr relativ genau sehen, welche Ratios für welchen Kaffee empfohlen werden. Dies sind eine Orientierungspunkte. Was die Temperatur des Wassers angeht haben wir folgende Faustformel: Je heller die Bohne, desto höher darf die Temperatur sein, sollte aber die 95 Grad nicht überschreiten. Die Ausnahme bildet hier die Bialetti, da der Siedepunkt hier höher ist.
von Carsten Witteck 10. April 2024
Kaffeebohnen lassen sich anhand unterschiedlicher Farben in sog. Röstgrade unterscheiden. Die Bohne an sich bringt ein gewisses Aroma mit, welches beim Rösten genauer rauskristallisiert wird. Grundsätzlich wird beim Rösten mit zwei Faktoren umgegangen: Wie ausgeprägt möchte ich die Säure haben und wie stark soll der Körper sein? Die Farbe der gerösteten Bohne lässt dann zumindest ansatzweise erkennen, zu welchem Zeitpunkt die Bohnen aus dem Röster entnommen wurden. Es gibt dabei zwei Temperaturgrenzwerte die als „Cracks“ bezeichnet werden und von Röstern besonders beachtet werden: Der erste Crack findet bei ca. 200-202°C statt und ist dem Knacken von Popcorn sehr ähnlich (nur etwas leiser). Der zweite Crack wird bei ca. 224-226°C erreicht. Im Laufe der Zeit haben verschiedene Röstgrade auch unterschiedliche Namen erhalten, die ansatzweise der Orientierung dienen können: Röstgrade:
von Carsten Witteck 9. April 2024
Ein Flat White und ein Cappuccino sind zwei grundlegend verschiedene Arten von Kaffeegetränken, die beide aus Espresso und Milch hergestellt werden, jedoch mit unterschiedlichen Proportionen und Textur. Worher stammt der Flat White? Der Ursprung des Flat White ist Gegenstand einiger Kontroversen, da verschiedene Kaffeekulturen Anspruch darauf erheben. Es wird jedoch allgemein angenommen, dass der Flat White in Australien oder Neuseeland entstanden ist. So genau kann man das heute nicht mehr nachvollziehen. Die Popularität des Flat White wiederum begann in den 1980er Jahren und verbreitete sich schnell in den Kaffeehauskulturen beider Länder. Es wird oft behauptet, dass der Flat White ursprünglich in australischen oder neuseeländischen Cafés von Baristas entwickelt wurde, um eine Kaffeekreation anzubieten, die zwischen einem traditionellen Cappuccino und einem Latte lag. Der Name "Flat White" bezieht sich auf die glatte, flache Schicht aus mikroschaumiger Milch, die den Espresso bedeckt, im Gegensatz zum dicken, luftigen Milchschaum eines Cappuccinos. Heutzutage ist der Flat White weit über Australien und Neuseeland hinaus beliebt und in vielen Kaffeehäusern auf der ganzen Welt zu finden. Er hat sich zu einem festen Bestandteil der internationalen Kaffeekultur entwickelt. Aber was ist nun der konkrete Unterschied? Flat White: Ein Flat White besteht aus einem Ristretto (doppelter Espresso, aber mit deutlich kürzerer Laufzeit und somit KEINE Bitterstoffe!), der mit mikroschaumiger Milch gemischt wird. Im Gegensatz zum Cappuccino hat ein Flat White eine dünnere Schicht aus cremigem Milchschaum, die auf dem Espresso schwebt. Der Schaum ist feinporig und seidig, wodurch ein glatteres Mundgefühl entsteht. Ein Flat White wird oft in einer kleineren Tasse oder bestenfalls in einem brieten Glas (ähnlich einem Whiskeyglas) serviert, typischerweise 160 ml oder weniger. Aufgrund der Ristretto-Basis läuft dieser auch über eine kürzere Zeit (ca. 12-18 Sekunden). Cappuccino: Ein Cappuccino besteht aus einem Espresso, der mit gleichen Teilen Milch und Milchschaum gemischt wird. Im Vergleich zum Flat White hat ein Cappuccino eine dickere Schicht aus luftigem Milchschaum, die den Espresso bedeckt. Diese Schicht aus Schaum ist oft voluminöser und kann eine künstlerische Musterung aufweisen. Ein Cappuccino wird normalerweise in einer größeren Tasse serviert, üblicherweise 180 ml oder mehr. Daher muss der Milchschaum eines Cappuccinos ganz anders zubereitet werden, als der Milchschaum von Flat White. Ein Flat White ist somit kein doppelter Cappuccino und hat auch sonst wenig mit dem Cappuccino gemein. Aus unserer Erfahrung heraus ist der Flat White typischerweise eine Alternative für Kaffeeliebhaber, die gerne einen Espresso trinken, aber denen ein Latte Macchiato oder Cappuccino einfach zu milchlastig ist. Leider wird in vielen Café ein doppelter Cappuccino als Flat White zu einem teureren Preis verkauft. Wenn Ihr wirklich wissen möchtet, ob Ihr einen Flat White erhalten habt, so stoppt einfach mal die Zeit, wie lange die Basis (also die Espressobasis) durchgelaufen ist. Bei unter 20 sek. könnt Ihr von einem Flat White ausgehen... Alles was länger dauert ist definitiv ein Cappuccino und somit kein Flat White!
von Carsten Witteck 1. März 2024
Fast 2 Jahre ist es her, dass wir die Türen im Baristro schlossen. Mit einem weinenden Auge sind wir gegangen und hatten allerlei Ideen, was wir demnächst anstellen wollen. Da waren viele Ideen! Vom Café-Wagen bis hin zu einem Co-Working Space war alles dabei. Und zwischenzeitlich waren wir ganz knapp davor. Die Pläne waren fertig, der Schreiner, der Elektriker und der Maschinenhersteller standen bereit. Monat um Monat warteten wir darauf, dass unser vermeintlicher Vermieter den Vertrag mit uns fertig macht. Ein zähes Ringen... Nach 7 Monaten zogen wir die Reißleine und steckten unsere Pläne in eine Schublade. Zwischenzeitlich entschieden wir uns in Sachen Kaffee selbst weiter zu entwickeln. Wir machten diverse Ausbildungen und erweiterten unseren Horizont. Wir wollten Kaffee besser verstehen und unsere Vision, von dem was wir eigentlich wollten wuchs ständig. Wir fingen an unseren Kaffee zu rösten und vertreiben diesen bereits über unseren Webshop. Aber Webshop alleine macht auch keinen Spaß. Wir wollten wieder Gastgeber sein. Aber anders als vorher. Durch anhaltenden Personalmangel, gestiegenen Energiekosten und anderen Herausforderungen mussten wir unsere hauseigenen Prozesse überdenken. Mit neuem Wissen, diversen Zertifikaten (SCA Barista, Röstkurs, etc.) stürzten wir uns in die Planung und wir wollten die perfekte Immobilie zu einer Idee des Beisammenseins. The Coffee Society ist nicht nur ein zufällig entstandener Name, sondern die Überlegung alles miteinander zu verbinden. Das Rösten auf der einen Seite, Barista- und Latte Art Kurse auf der anderen Seite und natürlich eine Coffeebar, die all die Menschen zusammenbringt, die Teil dieser Society sind. Also machten wir uns auf die Suche nach einer Immobilie. Eine Immobilie, die ein Café, eine Micro Roastery und eine Barista Academy vereint. Unzählige Immobilien haben wir uns angeschaut. Ein Auf und Ab an Immobilienbewertungen und Immobilienmaklern... Gut zwei Jahre nachdem wir das Baristro zugeschlossen haben, werden wir im Sommer 2024 etwas Neues öffnen! Wir haben endlich das gefunden, was wir gesucht haben, aber nicht wussten, wonach wir genau suchen. Auf zwei Stockwerke verteilt findet Ihr im oberen Geschoss unser neues Café, wo Ihr zukünftig auch sehen könnt, wie Eurer Kaffee geröstet wird. Auf der unteren Etage werdet Ihr unsere Barista Academy finden, wo wir wöchentlich Barista Kurse, Latte Art Kurse und Cuppings anbieten werden. Gleichzeitig ist dies auch unser Showroom für Siebträgermaschinen für den Heimgebrauch. Von der ECM über Rocket und andere Hersteller werdet Ihr alles finden! Hier könnt Ihr Euch schlau machen, welche Maschine zu Euren Bedürfnissen passt. Und das Beste: Wenn Euch eine gefällt, könnt Ihr sie direkt mitnehmen! Wir freuen uns so sehr Euch im neuen The Coffee Society begrüßen zu dürfen! Alte Baristro Stammkunden, neue Nachbarn und alle Kaffee-Enthusiasten der Welt, die Lust haben an gutem Kaffee. Ihr findet uns zukünftig in Frankfurt in Little SoHo. The Coffee Society Zum Laurenburger Hof 60 60594 Frankfurt Bis zum Sommer!
von Carsten Witteck 29. November 2023
Die Röstfarbe einer Bohne bestimmt normalerweise auch die Zubereitung. Normalerweise... Jedoch ist die Farbe allein nicht aussagekräftig, wenn es um den Röstgrad geht. Während des Röstprozesses ändern sich die Farben der Bohnen erheblich, und der Röstgrad variiert von leicht bis dunkel. Die Röstung beeinflusst stark den Geschmack des Kaffees. Grundsätzlich wird unterschieden in: Light Roast, Medium Roast und Dark Roast. Bei den hellen Röstungen ist die Säure im Kaffee oder Espresso sehr ausgeprägt. Bei einer mittleren Röstung ist der Geschmack sehr ausgewogen und die Säure deutlich erkennbar. Dunkle Röstungen haben einen starken Körper aber durch die abnehmende Säure nimmt auch die Geschmacksvielfalt ab. Hinzu kommt der sog. Omniroast. Der Omniroast hat weniger mit der Farbe zu tun, sondern vielmehr mit der Verwendungsmöglichkeit. Hier versucht man eine Röstung zu erzielen, die für verschiedene Einsatzmöglichkeiten bestimmt ist (also zum Beispiel Filter und Espresso). In der Regel werden Kaffeebohnen vor dem Rösten grün geerntet, und dann ändern sie während des Röstvorgangs ihre Farbe zu braun. Ein erfahrener Röster kann den Röstgrad durch visuelle Kontrolle und Erfahrung bestimmen. Wenn du den Röstgrad eines Kaffees herausfinden möchtest, ist es hilfreicher, auf die Angaben des Rösters oder der Kaffeemarke zu achten. Viele Kaffeepackungen geben den Röstgrad an, der von "hell" bis "dunkel" reichen kann. Wir machen dies auf unserer Packung ebenfalls. Dies siehst Du neben der illustrierten Farbpalette von hell (wenig Punkte) bis dunkel (viele bis alle Punkte).
von Carsten Witteck 19. September 2023
Häufig fragen uns Kunden, ob unser Kaffee denn wirklich zu 100% entkoffeiniert ist. Die Antwort dazu ist eindeutig, aber für Kunden manchmal nicht ganz befriedigend. Entkoffeinierter Kaffee ist nicht zu 100% koffeinfrei, aber der Koffeingehalt wird erheblich reduziert. Nach den internationalen Standards der Codex Alimentarius Kommission darf entkoffeinierter Kaffee höchstens 0,1 Prozent Koffein enthalten. Die meisten Entkoffeinierungsprozesse entfernen etwa 97-99% des Koffeins aus den Kaffeebohnen. Daher bleibt eine geringe Menge Koffein vorhanden, aber sie ist in der Regel so gering, dass die meisten Menschen sie nicht spüren. Der genaue Koffeingehalt kann jedoch je nach Entkoffeinierungsmethode und Marke variieren. Wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen komplett auf Koffein verzichten muss, sollte er sich bewusst sein, dass entkoffeinierter Kaffee keine vollständige Garantie für Koffeinfreiheit bietet. In solchen Fällen könnten koffeinfreie Alternativen wie Kräutertees eine bessere Option sein. Es gibt verschiedene Methoden, um Kaffeebohnen zu entkoffeinieren. Hier sind die drei Hauptmethoden: Lösungsmittelbasierte Methode: Ethylacetat-Methode: Ähnlich wie bei der Methylenchlorid-Methode wird Ethylacetat als Lösungsmittel verwendet. Diese Methode wird als natürlicher betrachtet, da Ethylacetat in kleinen Mengen in Früchten vorkommt.' Methylenchlorid-Methode: Die Bohnen werden in Wasser eingeweicht, und dann wird Methylenchlorid als Lösungsmittel hinzugefügt. Das Lösungsmittel löst das Koffein aus den Bohnen. Nach dem Entfernen des Lösungsmittels werden die Bohnen erneut mit Wasser gewaschen. Wasserbasierte Methode (Schweizer Wasserprozess): Die Bohnen werden in Wasser eingeweicht, und das Wasser wird dann durch Aktivkohle gefiltert, um das Koffein zu extrahieren. Dieser Prozess wird als "Schweizer Wasserprozess" bezeichnet und verwendet nur Wasser, ohne den Einsatz von chemischen Lösungsmitteln. Kohlendioxidmethode: Diese Methode verwendet flüssiges Kohlendioxid, um das Koffein aus den Bohnen zu extrahieren. Das Kohlendioxid wird unter Druck gesetzt und in Kontakt mit den Bohnen gebracht, wodurch es das Koffein löst. Nach dem Entfernen des Kohlendioxids werden die Bohnen getrocknet. Es ist wichtig zu beachten, dass bei diesen Entkoffeinierungsprozessen nicht nur das Koffein entfernt wird, sondern auch einige Aromastoffe. Daher können entkoffeinierte Kaffees leicht unterschiedlich im Geschmack sein im Vergleich zu normalen, nicht entkoffeinierten Kaffees. Daher haben wir uns dafür entschieden einen sog. Low-Caf Kaffee anzubieten. Gegenüber entkoffeinierten Kaffee, der immer noch ca. 0,1% Koffein aufweist, hat unser Low-Caf-Kaffee ca. 0,3 - 0,4% Koffeinanteil. Hier der Vergleich: Canephora Bohnen (Robusta): 2,5 - 4 % Koffein Arabica-Bohnen: 1,0 - 1.8 % Koffein Decaf-Bohnen: 0,1 % Koffein Low-Caf-Bohnen: 0,3 - 0,4 % Koffein