Kaffee aus Gran Canaria

Gran Canaria verbindet man mit Sonne, Atlantik, Vulkanlandschaften und Urlaub. Kaffeeanbau gehört dagegen nicht unbedingt zu den Dingen, die man mit der Insel in Verbindung bringt.
Und genau das macht ihn so spannend.
Denn im Valle de Agaete im Nordwesten Gran Canarias wächst seit rund 200 Jahren Kaffee. Nicht in riesigen Plantagen, sondern auf kleinen Parzellen, eingebettet zwischen Bananen, Orangen, Mangos, Avocados, Papayas und anderen tropischen Pflanzen.
Hier entsteht der sogenannte Café de Agaete – ein Kaffee mit einer außergewöhnlichen Geschichte und einer Produktion, die im internationalen Vergleich verschwindend klein ist. Und genau diesen Kaffee werden wir nach Deutschland bringen.
Kaffee wächst normalerweise zwischen den Tropen – im sogenannten „Kaffeegürtel“ rund um den Äquator.
Gran Canaria liegt deutlich nördlicher davon. Trotzdem findet der Kaffeebaum im Valle de Agaete Bedingungen vor, die ihm erstaunlich gut gefallen: milde Temperaturen, eine relativ konstante thermische Situation, Feuchtigkeit durch den Atlantik und die Passatwinde, sowie vulkanisch geprägte Böden.
Der Kaffee wächst dort außerdem in vergleichsweise niedrigen Höhenlagen. Die aktuelle Spezifikation für die geplante geschützte Herkunftsbezeichnung sieht eine Anbauhöhe von etwa 150 bis 550 Metern über dem Meeresspiegel vor.
Das ist für Kaffeekenner interessant: Während viele hochwertige Kaffees aus Mittel- und Südamerika oder Ostafrika in Höhen von 1.000, 1.500 oder sogar über 2.000 Metern angebaut werden, wächst der Kaffee von Agaete teilweise nur wenige hundert Meter über dem Meer.
Die Geschichte beginnt im 18. Jahrhundert. Der Kaffee kam nicht ursprünglich von Gran Canaria.
Die Geschichte des kanarischen Kaffeeanbaus beginnt bereits im 18. Jahrhundert. Im Jahr 1788 wurde auf Teneriffa der Jardín de Aclimatación de La Orotava gegründet. Dort sollten Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt unter europäischen Bedingungen kultiviert werden. Von dort gelangte der Kaffee schließlich nach Gran Canaria und in das Valle de Agaete. Im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Anbau zunehmend. Historische Berichte dokumentieren den Kaffee aus Agaete bereits seit dieser Zeit. Reisende und Naturforscher beschrieben ihn als außergewöhnliches und exotisches Produkt.
Ende des 19. Jahrhunderts erhielt der Kaffee aus Agaete sogar internationale Aufmerksamkeit: 1889 wurde er auf der Weltausstellung in Paris mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet.
Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Kaffee aus Gran Canaria heute außerhalb der Insel kaum bekannt ist.
Warum gerade Agaete?
Das Valle de Agaete ist kein klassisches Kaffeeanbaugebiet.
Und gerade darin liegt sein Geheimnis.
Das Tal ist von Bergen umgeben und besitzt ein eigenes Mikroklima. Die Kombination aus Atlantik, Passatwinden, geschützter Lage, milden Temperaturen und vulkanisch geprägten Böden schafft Bedingungen, unter denen Arabica-Kaffee gedeihen kann.
Hinzu kommt eine besondere Form des Anbaus:
Kaffee als Teil eines kleinen Ökosystems. Traditionell stehen die Kaffeepflanzen in Agaete nicht einfach in Reih und Glied auf einer Monokulturplantage. Sie wachsen gemeinsam mit anderen Pflanzen. Bananen, Orangen, Mangos, Avocados, Papayas, Zitronen und weitere tropische Pflanzen gehören zum Landschaftsbild des Valle de Agaete. Die Kaffeepflanzen wachsen dabei häufig im Schatten dieser größeren Pflanzen.
Dieses traditionelle System sorgt für ein eigenes Mikroklima innerhalb der Plantage.
Die heutige Beschreibung des Anbaus spricht deshalb ausdrücklich von Schattenanbau und Polykultur.
Der Kaffee ist damit nicht nur ein Produkt der Insel – er ist Teil der Landwirtschaft des gesamten Tals.
Eine ganz besondere Kaffeepflanze: Typica
Wenn man über Café de Agaete spricht, muss man über eine sehr alte Arabica-Sorte sprechen:
Typica. Die geplante IGP „Café de Agaete“ bezieht sich ausdrücklich auf Coffea arabica L., Sorte Typica.
Typica gehört zu den historisch bedeutendsten Arabica-Varietäten überhaupt. Sie ist bekannt für ihre hohe Tassenqualität, gilt allerdings als vergleichsweise wenig ertragreich. Genau das ist einer der Gründe, warum sie im modernen kommerziellen Kaffeeanbau vielerorts von ertragreicheren Varietäten verdrängt wurde.
In Agaete hat sie überlebt. Und damit auch ein Stück Kaffeegeschichte.
Interessant ist, dass einzelne heutige Projekte darüber hinaus mit weiteren Varietäten experimentieren. Auf der Finca Los Castaños beispielsweise werden neben Typica inzwischen auch Geisha-Pflanzen angebaut.
Für die geschützte Bezeichnung „Café de Agaete“ ist allerdings insbesondere die historisch etablierte Typica entscheidend.
Kaffeeanbau in Handarbeit
Mit industrieller Kaffeeproduktion hat der Anbau in Agaete wenig gemeinsam. Die Plantagen sind klein. Die Ernte erfolgt von Hand. Dabei werden die reifen Kaffeekirschen selektiv gepflückt. Das ist arbeitsintensiv – und einer der Gründe dafür, dass dieser Kaffee niemals ein Massenprodukt sein wird. Hinzu kommt die geringe Größe der Anbauflächen.
Aktuelle Angaben sprechen von lediglich etwa 10 bis 15 Hektar Kaffeeanbau im Valle de Agaete. Die gesamte Produktion liegt damit weiterhin nur im Bereich einiger tausend Kilogramm pro Jahr. Zum Vergleich:
Ein einziger großer kommerzieller Kaffeebetrieb in Brasilien oder Vietnam kann mehr Kaffee produzieren als das gesamte Valle de Agaete. Das macht deutlich, mit welchem Produkt wir es hier zu tun haben.
Für weitere Informationen rund um den Cafe Agaete lest den nächsten Blogbeitrag!













